Der SV Meppen gratuliert: Paul Linz wird heute 70
- Uli Mentrup
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Paul Linz hat sich den Titel „SV-Meppen-Retter“ verdient. Als er die Blau-Weißen im April 1996 als Trainer übernahm, schienen sie dem Abstieg entgegen zu trudeln. Doch mit einem wahren Husarenritt machte er das „Fußballwunder“ möglich: den Klassenerhalt. „Das war der Wahnsinn. Es war eine schöne Zeit. Ich erinnere mich gerne an Meppen“, sagt Linz, der am heutigen Sonntag 70 Jahre alt wird.

Linz löste Horst Ehrmantraut ab. Dem hatte er gut fünf Jahre vorher empfohlen zum SVM zu gehen. „Wir kannten uns.“ Weil Ehrmantraut noch den Lehrgang zum Fußballlehrer beenden musste, habe er Zweifel gehabt. „Mach dein Ding in Meppen“, habe er gesagt, erinnert sich Linz. Im Sommer 1995 klopften die Emsländer mit „Ehre“ ans Tor zur Bundesliga. Doch nach einer Serie von elf Niederlagen und einer Platzierung im Tabellenkeller fehlten den Verantwortlichen das Vertrauen.
Präsident Wolfgang Gersmann fragte bei Linz an. „Den Job wollte keiner machen. Ich hatte nichts zu verlieren. Wenn Meppen abgestiegen wäre, hätte keiner etwas gesagt“, ließ sich der ehemalige Osnabrücker Torjäger nicht lange bitten. Sein Engagement in Salmrohr war beendet. Für die Saison 1996/97 hatte er schon bei Preußen Münster unterschrieben. Der Vertrag wurde später aufgelöst.
Linz übernahm den SVM auf dem vorletzten Tabellenplatz. In neun Spielen holte er bei 18:3 Toren 20 Punkte! Meppen wurde Zehnter. Zu den blau-weißen Highlights zählen die ersten drei Spiele ohne Gegentor: Das 2:0 gegen Lübeck, das 3:0 beim VfB Leipzig und das 3:0 gegen Zwickau. Sie leiteten den Aufstieg aus dem Tabellenkeller ein, den selbst die Niederlage ausgerechnet gegen seinen Lehrmeister Klaus Schlappner - „das 0:2 in Mannheim ärgert mich bis heute“ - nicht mehr stoppen konnte.
Die Meppener Spieler seien bei seiner Ankunft total verkrampft gewesen. „Sie hatten nur Angst, Fehler zu machen“, sagt Linz, dessen lockere Art die Stimmung aufhellte. Er ließ offensiver spielen, machte „viel Blödsinn mit den Jungs“ und viel Torschusstraining. Der Ex-Goalgetter zeigte ihnen im Training wie man trifft. „Die haben schon geschaut, wie ich den einen oder anderen Ball ins Netz genagelt habe.“

In der Saison 1996/97 rückte Meppen zeitweise an die Aufstiegsränge heran, rutschte bis auf Platz zwölf und wurde am Ende trotz sieben sieglosen Spielen erneut Zehnter. Die Höhepunkte: Das 6:1 in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt. „Das steckt tief, aber das Leben geht weiter“, grantelte Gäste-Coach Dragoslav Stepanovic. Neun Tage später dürfte er nach 0:1-Heimniederlage im Punktspiel gegen die Emsländer kaum besser gelaunt gewesen sein. Gut in Erinnerung hat Linz das 5:4 gegen Mainz mit einem Dreierpack von Christian Claaßen.
Unvergessen sind für Linz die Duelle gegen den 1. FC Kaiserslautern. Das Team von Trainer Otto Rehhagel und knapp 4000 Fans traten die Fahrt ins Emsland unter dem Motto an: „Wir fahren nur einmal nach Meppen.“ Die Blau-Weißen siegten ohne sechs verletzte Stammspieler vor 16.599 Zuschauern 2:1. „Wir haben ein super Spiel gemacht“, erklärte Linz damals.
Vor dem Saisonfinale im Fritz-Walter-Stadion tarnte Meppen die Mannschaftsfahrt nach Mallorca während einer zehntägigen Spielpause als Trainingslager. „Ich war dagegen“, sagt der Coach, der Vorstand habe aber keine Einwände gehabt. In Kaiserslautern erlebte Linz zunächst eine „mittlere Katastrophe“: Nach 28 Minuten lag sein Team 0:4 zurück, zum Seitenwechsel 2:6. „In der Kabine haben die Jungs ganz schön einen drauf gekriegt“, schmunzelt er heute. Seine Drohung, „wenn wir zehn kriegen, trinke ich kein Bier mehr mit euch“, fruchtete: Die torreichste Partie der 2. Bundesliga endete 6:7. Danach feierten beide Teams.
Ausgerechnet nach dem höchsten Zweitliga-Sieg des SVM gegen den VfB Leipzig (6:0) 1997 gab es nichts mehr zu feiern. Es folgten neun sieglose Pflichtspiele, der Sturz auf den vorletzten Platz und die Entlassung von Linz kurz vor Weihnachten 1997 nach dem 0:3 in Mainz, das Jürgen Klopp mit einem Traumtor einleitete.
„Es gab keinen Braß“, erinnert sich Linz an die Trennung. Es sei alles sauber abgewickelt worden. „Das war menschlich okay.“ Nachdem der SVM ihn zuvor fast zu spät verpflichtet habe, habe er den Trainer dieses Mal schon in der Winterpause entlassen. Nachfolger Wolfgang Rolff, mit dem er in Bremenhaven zusammengespielt hatte, schaffte den Klassenerhalt nicht mehr.
Linz lebt heute in Trier, trainiert die F1, in der sein Sohn spielt, und betreibt eine Fußballgolf-Anlage. „Die gebe ich nicht ab, solange ich laufen kann.“ Er hat 33 Bundesligaspiele (5 Tore) für Werder Bremen und Waldhof Mannheim bestritten. In 233 Zweitliga-Partien (OSC Bremerhaven, Freiburger FC, Waldhof Mannheim, VfL Osnabrück) traf er 115-Mal und belegt Rang zehn der ewigen Torjäger-Bestenliste. Gespielt hat er zudem für VfL Trier und FSV Salmrohr. Trainerstationen von Linz waren Eintracht Trier, FSV Salmrohr, Stuttgarter Kickers, LR Ahlen, 1. FC Magdeburg und Borussia Neuenkirchen.
Text: Uli Mentrup









