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Der SV Meppen gratuliert: Mirko Votava wird heute 70

Foto: Hans Vinke (Archiv)
Foto: Hans Vinke (Archiv)

Der Zweitligaabstieg 1998 zählt zu den bittersten Momenten in der Vereinsgeschichte des SV Meppen. Doch schnell fanden die Emsländer einen neuen Hoffnungsträger, der die Blau-Weißen wieder in höhere Gefilde zurückführen sollte: Mirko Votava war mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister geworden und hatte mit Werder Bremen den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Die Erwartungen waren riesengroß, erinnert sich der gebürtige Prager, der am heutigen Samstag 70 Jahre alt wird.


Aber es war ein schwieriger Spagat zwischen der erhofften sofortigen Rückkehr in die 2. Liga und dem Neuaufbau der Mannschaft. Die Emsländer setzten auf Profi-Bedingungen, der Etat wurde auf 4,2 Millionen DM geschätzt. Aber es gab Veränderungen, auf die auch Förderer gedrängt haben sollen. Präsident Wolfgang Gersmann ging. Für ihn kam Franz Quatmann. Der Umbruch wurde auch im Kader deutlich. Die Fluktuation war riesengroß. „Das machte es nicht einfacher“, wusste Votava. Denn es sei nicht möglich gewesen, nur Top-Spieler zu verpflichten. Talente hätten noch Zeit gebraucht. „Die Leute wollten nur Positives über die Zukunft hören. Viele haben gedacht, wir schaffen das schon“, blickt Votava zurück.


Meppens Manager Gerd van Zoest hatte den neuen Coach im Sommer 1998 beim Liga-Rivalen VfB Oldenburg losgeeist, nachdem Wunschkandidat Willi Reimann abgesagt hatte. Votava unterzeichnete einen Zweijahresvertrag plus Option auf eine weitere Saison bei den Blau-Weißen.

Der starke Start bei drei Siegen ohne Gegentreffer schürte die Euphorie im Emsland zusätzlich. Nach sieben Spieltagen übernahm Meppen nach dem 4:0 gegen Eintracht Braunschweig die Tabellenspitze. Nach 16 Spieltagen trennte das Führungs-Trio aus Osnabrück, Braunschweig und Meppen nur jeweils ein Punkt - und der SVM war noch eine Partie im Rückstand. Am 17. Spieltag jedoch begann mit dem 1:3 bei Werder Bremen II eine Serie von zehn sieglosen Punktspielen (fünf Niederlagen, fünf Remis), die erst am 1. April 1999 endete. Nach den folgenden zwei Siegen und zwei Niederlagen (0:2 gegen Kiel, 0:5 in Emden), musste Votava gehen. Meppen war noch Vierter, aber der Rückstand auf Spitzenreiter Osnabrück betrug 20 Punkte.


Rainer Persike, der den SVM in die 2. Bundesliga geführt hatte, übernahm. Die Blau-Weißen verloren auch die letzten fünf Punktspiele, wurden nur Elfter der Abschlusstabelle. Wichtig war der 2:0-Sieg an Persikes sechstem Arbeitstag im NFV-Pokalfinale gegen Braunschweig vor nur noch 1500 Zuschauern. Er bescherte dem SVM im Oktober 1999 in der dritten DFB-Pokalrunde das Traumlos FC Bayern München.

Für die ersten vier Siege im NFV-Pokal - darunter der Halbfinalerfolg gegen den TuS Lingen nach Elfmeterschießen - zeichnete noch Votava verantwortlich. Er saß bei insgesamt 33 Pflichtpartien auf der Meppener Bank. Nach zehn Monaten war seine Mission im Emsland beendet. Mit ihm verabschiedete sich auch Co-Trainer Hermann Rülander. Er habe sein Amt aus Solidarität mit Votava zur Verfügung gestellt. Er könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, weil der Coach „faire und saubere Arbeit abgeliefert“ habe, erklärte der langjährige ehemalige SVM-Keeper damals.


„Ich bin sportlich verantwortlich“, bekannte Votava im April 1999. Der ehemalige Muster-Profi meinte nach einem Appell an der Charakter der SVM-Kicker aber auch: „Mir musste man das als Spieler nicht sagen, aber solche Typen gibt es wohl nicht mehr viele.“ Einige Fußballer gestanden ihre Mitschuld ein.


„Eigentlich war das traurig für mich. Ich habe mich in Meppen ganz wohl gefühlt“, blickt Votava heute zurück. „Ich wollte dort eigentlich etwas aufbauen.“ Er habe gewusst, wie schwer es wird, nach einem Abstieg schnell wieder aufzusteigen, und sich immer gewundert, „dass die Leute so hohe Erwartungen hatten.“


Frust ist bei Votava, der als Trainer schnell in den Profibereich wollte, nicht geblieben. „Man kann dem Verein nur alles Gute wünschen und hoffen, dass die Entscheidungen dann positiv ausfallen.“ Votava erklärt, er sei nicht nachtragend. Über den SVM ist er bestens informiert, kennt die Platzierungen und Punktekonten der ersten und auch der zweiten Mannschaft genau. Es sei klar, dass er sich für die Vereine interessiere, bei denen er als Spieler oder Trainer gewesen sei. Das Regionalliga-Team des SVM habe Potenzial, drückt er die Daumen für den Drittligaaufstieg.

Für Votava ist besonders wichtig, dass er während der sportlichen Karriere gesund geblieben ist. Titel und Trophäen hätten ihn gierig auf mehr gemacht. Da hat er einiges vorzuweisen: Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1980  Europameister, mit Borussia Dortmund stieg er in die Bundesliga auf, mit Atletico Madrid wurde er spanischer Pokalsieger, mit Werder Bremen gewann er 1992 den Europapokal der Pokalsieger, wurde je zweimal Deutscher Meister und Pokalsieger sowie dreimal Supercupsieger. Nur vier Fußballer haben mehr Spiele in der Bundesliga bestritten als Votava (546).


Gespielt hat Votava in der Jugend für Dukla Prag, VfL Witten und Borussia Dortmund. Seine Stationen im Herrenbereich waren Dortmund (1974 - 1982), Atletico Madrid (1982 - 1985), Werder Bremen (1985 - 1996, dort war er auch Kapitän). 1996 wechselte er zum VfB Oldenburg, den er ein Jahr später als Spielertrainer führte. Es folgten Stationen beim SV Meppen, bei Union Berlin, Werder Bremen U19 (dreimal Deutscher Meister) und Werder Bremen II. 2022 verabschiedete er sich in den Ruhestand.

 
 
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