Der SV Meppen gratuliert: Gerd Gerdes wird heute 70
- Uli Mentrup
- vor 5 Minuten
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Gerd Gerdes hat fünf Jahre für den SV Meppen in der Oberliga gespielt und dabei für eine Bestmarke gesorgt: Der torgefährliche Stürmer bestritt 142 Partien in ununterbrochener Folge. „Das glaubt heute fast keiner mehr“, lacht der Emsländer, der am heutigen Sonntag 70 Jahre alt wird.
Gerdes selbst hat sich damals keine Gedanken gemacht, wie viele Partien in Folge er absolviert hat. Torwart Hermann Rülander machte ihn auf einen Artikel im Kicker aufmerksam, dass er schon 125 Spiele in Serie absolviert hatte. Bei 142 endete die Serie. Sie wurde später von Hermann Eiting (150) getoppt. Der nervenstarke Gerdes lief in 154 Punktspielen für den SV Meppen auf. Dabei schoss er 40 Tore. In Erinnerung hat er die Treffer gegen den späteren Nationaltorwart Andy Köpke in dessen Zeiten bei Holstein Kiel oder beim 1:3 im Test gegen Hertha BSC. Gegen den 1. FC Köln verpasste der Stürmer sein Tor: Er hatte Keeper Toni Schumacher schon getunnelt, doch der schnappte den Ball noch kurz vor der Torlinie.
Gerdes begann mit sechs Jahren Fußball zu spielen in Klein Berßen. Nach der Jugend wechselte er für fünf Jahre zum Haselünner SV, bei dem er durch seine Treffer auch dem TuS Lingen und dem SV Meppen auffiel. „Ich habe in den letzten drei Jahren beim HSV immer um 30 Tore geschossen.“ Der SVM wollte ihn schon früher haben. Nach einem Gespräch mit Gerd van Zoest und Leo Schulte-Himmelpforten kam der Wechsel 1980 zustande.
Unter Trainer Hans-Dieter Schmidt wurde Gerdes sofort Stammspieler. „Das hat mich selbst gewundert. Die Aufnahme war herzlich. Die Erfahrung möchte ich nicht missen.“

Im ersten Meppener Jahr war der Blondschopf sofort gefährlichster Schütze mit 19 Toren. „Als Stürmer muss man treffen, sonst muss man auf die Bank. Das wollte ich nicht“, grinst Gerdes. Er stand gleich in der ersten Partie beim VfB Lübeck in der Startelf und schoss in der elften Minute sein erstes Tor für den SVM. Mit 20:4 Punkten sorgten die Emsländer für einen neuen Startrekord in der Amateuroberliga Nord. Der SVM wurde Vierter, nur vier Punkte hinter Meister FC St. Pauli. Gerdes und die andere Neuzugänge wie Josef Menke und Bernd Deters hatten sich etabliert.
1983 wurde Rainer Persike Trainer. „Er legte viel Wert auf Kondition“, sagt Gerdes. Die und den großen Zusammenhalt nennt er als ein Erfolgsrezept für den Zweitligaaufstieg 1987. Drei Jahre zuvor durften die Meppener lange auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga hoffen. Am Ende fehlten zwei Zähler.
Herausragend nennt Gerdes das Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona 1982 und die tolle Atmosphäre. Die Zuschauer saßen bis zum Spielfeldrand, „einige kletterten auf Bäume“. Der spätere Superstar Maradona sei mit nicht geschnürten Schuhen auf den Platz gekommen, habe den Ball mit einigen Kontakten locker im Gehen bis zur Mittellinie hochgehalten, umringt von etlichen Fans, die auf den Rasen gekommen waren. Beim Trikottausch ging der ausgewechselte Gerdes leer aus. „Als ich in die Kabine kam, waren alle schon weg.“
1985 wechselte der Stürmer für eine Saison zum TuS Lingen, dann kehrte er zu seinem Heimatverein zurück. In Klein Berßen war er als Spieler und Trainer im Herren- und Jugendbereich zehn Jahre aktiv. Danach folgten Stationen beim SV Holte (7 Jahre), SV Dohren (8), SG Lähden (3), nochmal Holte (3) und mit seinem Sohn noch fünf Jahre in Stavern/Apeldorn. „Das hat immer viel Spaß gemacht.“
Gerdes selbst ist positiv fußballverrückt. Er stammt aus einer fußballbegeisterten Familie. Seine Söhne Stefan, Marco und Michael kickten selbstverständlich auch. Heute bringt Gerdes seinen Enkeln Tricks mit dem Ball bei. Als sein Sohn Marco geboren wurde, erinnert sich der Fußballer, spielte er gerade mit Eintracht Berßen im Kreispokalfinale in Sögel gegen den SV Eisten/Hüven. „Da haben wir 0:1 verloren.“ Berßen stand noch häufiger im Endspiel und stieg damals zweimal auf. „Das war enorm, was wir geleistet haben.“
Dem SV Meppen ist Gerdes verbunden geblieben. Er spielte noch lange in der Traditionsmannschaft. Gelegentlich besucht er Heimspiele des SVM. „Ich schaue da gerne zu und ärgere mich immer, wenn sie verlieren.“ Zuletzt hatte er viel Grund zur Freude. Ihm gefällt, dass die Meppener Spieler „alle Mensch geblieben sind. Da ist niemand abgehoben.“




