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Vor dem Start in die RL-Nord: Ernst Middendorp im Interview


Die deutliche 0:8-Niederlage des SV Meppen beim SV Rödinghausen im letzten Testspiel vor dem Saisonstart in die Regionalligasaison 2023/24 hat bei den Fans viele Fragen und Ängste entstehen lassen. Im Interview erklärt Ernst Middendorp (Cheftrainer und Sportlicher Leiter des SV Meppen), wie er die aktuelle Lage sieht, wie das Trainerteam das junge Team wieder in die Spur bringt und wie es mit weiteren Transfers aussieht.


Herr Middendorp, wie hat das Trainerteam auf die 0:8-Klatsche reagiert? Nimmt man sich nach so einer Niederlage das Team „zur Brust“ oder helfen eher Einzelgespräche mit den Spielern?


Middendorp: Wir haben das Spiel in Rödinghausen noch in der folgenden Nacht mit den Co-Trainern aufgearbeitet. Wir haben uns am nächsten Morgen mit den Spielern die Gegentore und die Abläufe, die in keiner Weise funktioniert haben, angeschaut. Wir haben die Dinge klar, offen und für jeden nachvollziehbar aufgearbeitet. Wir hatten eine ganz andere Körpersprache erwartet. Im Endeffekt haben wir im Einzelnen und im Kollektiv die Fehler angesprochen und sind auch im Training darauf eingegangen. Das werden wir in den nächsten Tagen forcieren. Wir haben durch das Spiel auch viele Erkenntnisse für uns gewinnen können.


Am Freitag startet der SV Meppen gegen den SV Drochtersen/Assel (19.30 Uhr) in die neue Spielzeit. Worauf liegt bis dahin der Fokus im Training?


Middendorp: Wir müssen gerade bei den Spielern ganz genau hinschauen, die erst vor kurzem zum Team gestoßen sind, um zu sehen, wie fit sie wirklich sind. Da müssen wir Entscheidungen treffen. Wer kann mit wem am besten funktionieren? Wir benötigen Kompaktheit, um eine gewisse Kompetenz in allen Momenten des Spiels auf den Platz zu bringen. Tim Möller und Fynn Seidel waren nicht beim Spiel in Rödinghausen dabei. Sie stehen aber, so wie es aussieht, für einen Einsatz am Freitag zur Verfügung.


Die Fans hoffen nach dem Spiel in Rödinghausen auf weitere Transfers. Laufen im Hintergrund noch Gespräche mit neuen Spielern?


Middendorp: Das müssen wir differenziert angehen. Wir wissen, dass wir Spieler mit einer sehr schlechten Leistung gesehen haben. Aber die gleichen Spieler haben im Training und in der gesamten Vorbereitungszeit auch andere Leistungen abgeliefert. Jetzt alles und jeden durchzudiskutieren, und sagen, dass jeder Spieler ausgetauscht werden muss, ist nicht der richtige Weg. Jeder Spieler weiß, dass wir andere Leistungen von ihm erwarten. Jeder muss selbstkritisch an die Sache herangehen. Es geht aber auch darum, zu hinterfragen: Ist der Spieler jüngeren Alters? War er lange verletzt? Ist der Spieler erst recht spät zum Team gestoßen? Was gibt der Markt her? Haben wir überhaupt die finanziellen Ressourcen? Transferende ist Ende August. Wir könnten also bis dahin noch korrigieren, erweitern und nachhelfen.


Viele Fans haben sich nach dem 0:8 geschockt gezeigt und ihren Frust und ihre Ängste in den sozialen Netzwerken niedergeschrieben. Wie nah lassen Sie solche Kommentare an sich ran?


Middendorp: Es ist natürlich legitim, seine Meinung zu äußern. Und jeder, ob Spieler oder Trainer, sollte das zur Kenntnis nehmen. Zufriedenheit sieht natürlich anders aus, und das kann nach so einem Spiel selbstverständlich nicht erwartet werden. Ich nehme die Kommentare zur Kenntnis, ohne es jedoch zu sehr auf mich wirken zu lassen. Ich nehme ja auch zur Kenntnis, wenn mal etwas Positives geschrieben wird. Für mich gilt eher der Maßstab: Nicht Himmel hoch jauchzend, wenn etwas Positives geschrieben wird und auch nicht zu Tode betrübt, wenn zurecht etwas Negatives vermeldet wird. Ich versuche da neutral zu sein.


Wie lautet das Ziel des SV Meppen für die kommende Saison?


Middendorp: Ein Abstieg und ein damit oftmals einhergehender Austausch vom Großteil des Kaders ist immer eine Ausnahmesituation. Wir standen nach dem Abstieg zunächst mit Marek Janssen, Jonas Fedl und Luca Prasse da. Das waren die einzigen Spieler aus der vergangenen Saison. Jetzt geht es darum, unter Berücksichtigung des Budgets, die Puzzleteile zusammenzuführen. Das müssen wir weiterhin erledigen, bevor wir Zielvorgaben ausloben können. Wir sind absolut wettbewerbsfähig, benötigen dafür aber auch die Unterstützung der Fans. Ich möchte noch keine genaue Zielsetzung herausposaunen.


Sie sprechen die Fans an. Wie wichtig ist die Unterstützung für den sehr jungen Kader des SV Meppen?


Middendorp: Eine Antwort auf diese Frage ist kaum in Worte zu fassen. Wir haben eine sehr junge und mit vielen Emsländern besetzte Crew. Sie reagieren also viel sensibler auf die Stimmung im Stadion. Das wird eine immens wichtige Komponente sein, die großen Einfluss auf den Spielverlauf am Freitag nehmen kann. Wir haben ja am Ende der vergangenen Saison gesehen, zu was wir im Stande sind, wenn der 12. Mann auf den Tribünen hinter uns steht. Gerade in den vergangenen Drittligajahren hat sich hier eine Fankultur etabliert, die ihresgleichen sucht und teilweise selbst dafür gesorgt hat, dass die drei Punkte in der Hänsch-Arena bleiben. Für den SV Meppen sind die Fans gerade in der jetzigen Zeit ein unglaublich wichtiger Faktor, mit dem wir sicherlich bei dem einen oder anderen Gegner für weiche Knie sorgen können. Aber das schaffen wir eben nur gemeinsam.

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