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Niclas Wessels: Erst Adrenalin pur - dann der Schock


Die Extrempole seiner Gefühlswelt hat SV-Meppen-Youngster Niclas Wessels in seiner jungen Regionalliga-Karriere im Team von Ernst Middendorp schon kennengelernt: Erst Adrenalin pur bei der Premiere gegen Drochtersen/Assel, dann der Schock nach seinem Schienbeinbruch.


Erst zwei Stunden vor dem Anpfiff hatte der 18-Jährige erfahren, dass er vor seinem Regionalliga-Debüt stand - und das in der eher ungewohnten Rolle als Rechtsverteidiger. „Ich spiele sonst im offensiven Mittelfeld“, sagt der Papenburger. „Niclas ist sehr vielseitig. Er hat das sehr ordentlich gemacht. Nicht umsonst ist sein Gegenspieler zur Pause ausgewechselt worden“, erklärt Co-Trainer Steffen Puttkammer.


„Ich bin froh, dass ich das Vertrauen von Ernst Middendorp bekommen habe“, sagt Wessels. Schon vor dem Anpfiff habe die Stimmung in der Hänsch-Arena gerade die jungen Spieler euphorisiert, die die fehlende Erfahrung über Einsatz, Kampfgeist und das Pushen der Fans wettmachten. Einen weiteren Adrenalinschub gab das Traumtor von Willi Evseev. „Diese Emotionen gibt es nur im Fußball“, weiß Wessels.


Nach etwa einer Stunde folgte die Ernüchterung für den Spieler im Trikot mit der Nummer 23. „Ich gehe zur Gätsche runter, bin eher am Ball und pralle mit dem Gegenspieler zusammen“, erinnert sich Wessels an einen heftigen Kontakt. Der Emsländer ging von einem normalen Pressschlag aus, dachte, die Beschwerden könne er rauslaufen. Aber nach wenigen Metern setzte er sich, wurde behandelt und ausgewechselt.


Nach dem Schlusspfiff drehte Wessels auf Krücken mit der Mannschaft die Ehrenrunde, sprach mit Zuschauern. „Ich war so voller Adrenalin.“ In der Praxis von Mannschaftsarzt Sebastian Gierets dann die ernüchternde Diagnose: Schienbeinbruch! „Das ist bitter“, klingt der Spieler, der von einer Verstauchung oder Prellung ausgegangen war, sachlich. Schon einen Tag später wurde er von Gierets operiert.


Wessels‘ erste Doppelfrage nach dem Aufwachen aus der Narkose: Führen wir noch 1:0? Welche Minute läuft? Die emotionale Partie beschäftigte ihn noch immer. „Die Operation ist gut verlaufen“, sagt der Fußballer. Ein Nagel und drei Schrauben erinnern ihn daran. Er hat schon mit der Reha bei SVM-Physiotherapeut Maximilian David begonnen. „Ein gutes Gefühl.“


Weniger gut fühlt sich die lange Pause bis zur Rückkehr in die Regionalliga an. „Das will man eigentlich nicht hören“, stellt Wessels fest. Er werde wohl die ganze Hinrunde ausfallen. „Fünf, sechs Monate sind hart. Das beschäftigt den Kopf.“ Wessels will sich an kleinen Fortschritten orientieren: Wenn die Krücken wegkommen, wenn er wieder auf dem Platz laufen kann. „Niclas ist ein Kämpfer“, betont Puttkammer.


Wessels ist hochmotiviert wie sein sportliches Vorbild Cristiano Ronaldo, von der Position ist es eher Mario Götze, als Mannschaft neben dem SV Meppen Borussia Dortmund. Im Leben des 18-Jährigen dreht sich fast alles um Fußball. Bei BW Papenburg begann er bei den Minikickern. Sein Vater Rolf hat ihn als Trainer lange begleitet. Mit 14 Jahren wechselte Niclas Wessels zum JLZ Emsland. Er gehörte auch zum Talentteam von Werder Bremen, trainierte schon beim VfL Wolfsburg und beim Nachwuchs des niederländischen Erstligisten FC Groningen. In Meppen feierte er mit der U19 der Aufstieg in die Bundesliga und ein Jahr später den sensationellen Klassenerhalt, zu dem er zehn Tore beisteuerte.


Trainer Carsten Stammermann habe immer gesagt: „Wir müssen an uns glauben.“ Das gilt für Wessels auch auf dem langen Weg zum Comeback in der Regionalliga Nord.

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