Der SV Meppen gratuliert: „Roger“ Müller wird heute 75
- Uli Mentrup
- vor 3 Stunden
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„In Norddeutschland muss man solche Gegenden erst einmal finden, wo der Fußball so gelebt wird wie in Meppen oder im Emsland. Es ist beeindruckend“, sagt Wulf-Rüdiger Müller, den fast alle nur „Roger“ nennen. Er hat mit Fußballerinnen und Fußballern des SVM seine größten Erfolge gefeiert und seinen Anteil an der Entwicklung. Am heutigen Montag wird der ehemalige Verbandssportlehrer des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) 75 Jahre alt.
Müller bezeichnet es als großes Glück, dass er sein Hobby Fußball zum Beruf machen konnte. Der gebürtige Wolfsburger, der auch beim Nachwuchs des VfL und beim VfB Fallersleben sowie während des Studiums an der Sporthochschule Köln beim 1. FC Spich und Frechen 20 zumeist auf der Zehner-Position spielte, arbeitete 40 Jahre beim NFV in Barsinghausen. Mit den Schwerpunkten Trainerausbildung und Talentförderung lernte er auch viele Emsländer kennen. Wie etwa die Trainer Rainer Persike oder Christian Neidhart. Sie saßen bei ihm genauso auf der Bank wie Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Seinen ersten Triumph feierte Müller 1987 in Meppen. Mit dem NFV-Team gewann der Fußballlehrer den Länderpokal nach einem 3:1 im Finale gegen Berlin. In seiner Mannschaft standen allein sieben Spieler vom SVM, die ein Jahr später in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind: Josef Menke, Wolfgang Hohmann, Reinhold Tattermusch, Frank Faltin, Robert Thoben, Dietmar Sulmann und Eckhard Vorholt. Dazu kamen Thomas Böttche (Arminia Hannover), Jörg Kretzschmar (VfL Wolfsburg) und Jürgen Prange (VfB Oldenburg) die später zu den Blau-Weißen wechselten. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen SVM und NFV.
1997 gewann Müller den Länderpokal mit den niedersächsischen U19-Frauen, darunter Fußballerinnen von Victoria Gersten. Der Verein, der 2004 zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga Nord gehörte, trat 2010 dem SV Meppen bei. Müller kannte Maria Reisinger, die bei beiden Clubs entscheidende Positionen inne hatte, schon als Auswahlspielerin. Beim NFV war sie auch Mädchen-Stützpunktkoordinatorin für den Bereich Weser-Ems.
Beim ersten Wiedersehen mit seiner ehemaligen Auswahlspielerin bei einem Testspiel in Barsinghausen hätte die Verbindung auch beendet sein können. Müller riskierte einen lockeren Spruch, weil Gersten mit Libera spielte. Reisinger konterte sofort. „Ich habe sie nicht erkannt“, erinnert sich Müller. Später habe er eine Fußballerin gefragt, wer die Person gewesen sei. Müller griff später zum Telefon, nahm eine Einladung nach Gersten an und überzeugte sich von der exzellenten Arbeit an dem kleinen, aber hochklassigen Frauenfußball-Standort im südlichen Emsland. Beide tauschten sich häufig aus, Müller verfolgte etliche Spiele der Victoria und später des SVM.

So war es keine große Überraschung, dass der Berater Müller nach seinem Ausscheiden beim NFV 2016 Cheftrainer der Zweitliga-Fußballerinnen wurde. Später übernahm er noch Funktionen als Teamchef und Co-Trainer. Als Highlights bezeichnet er die Aufstiege in die Bundesliga 2020 und 2022. Zweimal führte der Weg wieder direkt in die 2. Liga. „Das tut mir heute noch weh“, sagt Müller: Vor allem der zweite Abstieg, als Meppen bis zur Winterpause viele Punkte gesammelt hatte, im letzten Heimspiel gegen den Top-Favoriten VfL Wolfsburg fünf Minuten vor dem Abpfiff 2:1 führte, aber noch 2:3 verlor.
Müller ist stolz darauf, dass es zusammen etwa mit Maria Reisinger und Markus Lohle gelungen sei, den Frauenfußball in Meppen weiter zu entwickeln. Dabei sind für ihn Nachhaltigkeit und Ausbildung der eigenen Talente, aber auch der einheimischen Trainer, wichtig. Mit diesen Mitteln könne man noch immer bestehen. Zufrieden registriert er, dass ehemalige Spieler wie Frank Faltin sich für den Frauenfußball beim SVM engagieren.
Müller, dessen Expertise auch beim Aufbau des NLZ Emsland gefragt war, blickt auf eine „tolle Zeit in Meppen“. Auch heute unterstützt er die Fußballerinnen noch. Sein größter Wunsch für die Blau-Weißen: Ein Doppel-Aufstieg der Frauen und der Männer. „Das wäre das Größte!“, sagt Müller, der schon seit 60 Jahren Roger gerufen wird - englisch für Rüdiger. Nach dem Liverpooler Stürmer Roger Hunt, der mit der englischen Nationalmannschaft 1966 nach dem 4:2 im Finale gegen Deutschland Weltmeister wurde. Den Namen verpasste ihm ein ehemaliger Mitspieler. „Meinen richtigen Vornamen Wulf-Rüdiger kennt kaum noch einer.“




