Der SV Meppen gratuliert: Klaus Iwanzik wird heute 85
- Uli Mentrup
- 5. Sep.
- 3 Min. Lesezeit

Klaus Iwanzik hat immer darauf geachtet, dass er beruflich gut abgesichert war. Dennoch hat er vom Emsland aus den Weg bis in die Bundesliga gefunden mit Fortuna Düsseldorf, bei der er auch im Fußball-Oberhaus bei einer Bank beschäftigt war. Beim SV Meppen verabschiedete er sich 1961 mit dem Aufstieg in die Amateuroberliga, die zweithöchste Klasse. „Wir hatten eine gute Mannschaft und klare Ergebnisse sogar in der Aufstiegsrunde“, erinnert sich Iwanzik, der am heutigen Freitag 85 Jahre alt wird.
Iwanzik fiel in seinen Teams auf. Er war aber stets auch der Vorlagengeber für Mitspieler. Für den Top-Torjäger Gerd Sand beim SV Meppen, für Günter Pröpper beim VfL Osnabrück oder Reiner Geye bei Fortuna Düsseldorf. Das sportliche Multitalent hatte als Kind nicht von einer solchen fußballerischen Laufbahn geträumt. Das habe sich ergeben.
Der aus dem ostpreußischen Prostken stammende Iwanzik kam 1945 mit Familie mit dem Boot über die Ostsee nach Dänemark, lebte dort zwei Jahre in einem großen Flüchtlingslager und zog 1947 ins Emsland. In Wesuwe begann er mit dem Fußballspielen: „Mit einer Schweineblase.“ Nach dem Umzug in die Kreisstadt schloss er sich Union Meppen an, spielte in einer „super Mannschaft“, die in Kreis und Bezirk alle geschlagen habe. Später wechselte er zum SV Meppen. „Da haben wir immer um die Emslandmeisterschaft gespielt.“ 1957 wurde der SVM unter Werner Bresan Altkreismeister. Im entscheidenden Spiel gegen Concordia Schöninghsdorf steuerte Iwanzik die Hälfte der zwölf Tore bei.
Das schnelle und läuferisch starke Talent schaffte 1958, unmittelbar nach seinem 18. Geburtstag, den Sprung in die erste Mannschaft - gewann 1959 mit dem Team den Bezirkspokal und 1961 den Titel in der Amateurliga 8. In der Aufstiegsrunde setzte sich Meppen mit Fußballern nur aus dem Altkreis gegen TuS Varel, TSV Ottersberg und im entscheidenden letzten Spiel daheim gegen TuS Heidkrug 11:0 (!) durch. Damit spielte der SVM in der zweithöchsten Liga, der Amateuroberliga. Die Bundesliga gab es noch nicht.

Iwanzik, dem auch Anfragen von Holstein Kiel, Hannover 96 und Eintracht Brauschweig vorlagen, wechselte zum VfL Osnabrück in die Oberliga - aber erst, als die Lila-Weißen ihm einen guten Arbeitsplatz bei einer Bank besorgt hatten. Dieses Vorgehen behielt er auch bei seiner späteren Station in Düsseldorf bei, wo er einziger Halbprofi im Bundesliga-Kader war. Iwanzik bestritt für die Lila-Weißen, bei denen Udo Lattek und Walter Wiethe zu seinen Mitspielern gehörten, 143 Punktspiele in der Ober- und Regionalliga, in denen er 20 Tore schoss. Drei allein beim historischen 12:1-Sieg gegen den VfB Oldenburg im Mai 1967.
Danach kam Iwanzik auf kuriose Art zu Fortuna Düsseldorf: Osnabrücks Torjäger Günter Pröpper bat seinen Mitspieler, der einen Tag frei nahm, ihn zum Training in die Rhein-Metropole zu begleiten. Düsseldorfs Betreuer Karl Heidelberger meinte, Iwanzik könne gleich mittrainieren. Dass der keine Fußballschuhe dabei hatte, bereitete keine Probleme. Heidelberger besorgte das Schuhwerk, Iwanzik wechselte, als der Arbeitsvertrag einer Bank vorlag. Pröpper schloss sich RW Essen an.
Die gerade abgestiegenen Fortunen kehrten 1971 mit Iwanzik in die Bundesliga zurück. An seiner Seite liefen die Nationalspieler Rainer Geye und Dieter Herzog auf. Erster Gegner war Bayern München. Auf der Trainerbank saß Iwanziks Ex-Mitspieler Udo Lattek. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß standen im FCB-Kader. Iwanzik wurde bei der 1:3-Niederlage eingewechselt. Dennoch war es „ein Erlebnis“ für ihn. Beim 0:1 in Düsseldorf gegen die Bayern war er über die volle Zeit dabei - genau wie eine Saison zuvor im DFB-Pokalhalbfinale, das die Fortunen 0:1 verloren. Sein einziges Bundesliga-Tor schoss Iwanzik in seinem 20. und letzten Spiel beim VfB Stuttgart.
Obwohl die Fortunen ihm einen Drei-Jahresvertrag anboten, kehrte Iwanzik zurück ins Emsland. Er wurde Spielertrainer beim TuS Lingen (1972 - 1980), stellte selbst die Teams zusammen. „Ich hatte keinen Trainerschein, aber Ahnung hatte ich trotzdem.“ Er führte den TuS bis in die Verbandsliga. Von 1980 bis 1983 war Iwanzik wieder für Union Meppen aktiv, lief noch mit 42 Jahren selbst in der Bezirksliga auf. Später war er Sportlicher Leiter beim TuS Lingen. Heute lebt er in Meppen.









