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„Irre Situation“: Ur-Speller kehrt mit dem SV Meppen zurück zum Derby


„Eine irre Situation“, sagt Florian Egbers vor dem Derby am Samstag um 14 Uhr im Getränke Hoffmann Stadion. Der 30-Jährige, der nur für den SC Spelle-Venhaus Fußball gespielt hat, kehrt als Geschäftsleiter des SV Meppen an seine langjährige Wirkungsstätte zurück. „Noch verrückter wäre es nur, wenn ich noch spielen würde.“


Egbers, seit vier Jahren beim SV Meppen tätig, wohnt mit seiner Familie in Spelle. Im Stadion kennt er sprichwörtlich jeden Grashalm. „Das ist mein Zuhause. Ich war vier-, fünfmal die Woche da, habe es nach dem Training genossen, mit den Jungs zusammenzusitzen.“ Er kennt die Spieler des Gastgebers. Mit Christoph Ahrens und Kapitän Torben Stegemann hat er in der Jugend zusammengespielt. Hanjo Vocks war sein Trainer. Auch heute ist Egbers noch oft gern gesehener Gast in Spelle, hat dort etliche Regionalligaspiele verfolgt.


Vor einem Jahr hat Egbers aufgehört beim SCSV, weil er mehr Zeit für die Familie haben wollte, denn beim SVM ist er oft im Wochenendeinsatz. Aber, bekennt er schmunzelnd, er habe auch gemerkt, dass mit Mattis Niemann ein junger Keeper nachrücke, der ihm den Rang ablaufe.


Egbers begann schon bei den Speller Minis. 2012 kam er aus der Jugend, spielte zunächst in der Zweiten. In der Halle beim Vechte-Cup fiel er auf, Trainer Siggi Wolters holte ihn ins Landesliga-Team. Für Spelle hat er 56 Spiele in der Oberliga bestritten.


Genossen hat Egbers die Phasen, als er vor Michael Gellhaus und Bernd Düker die Nummer eins war und natürlich den Aufstieg in die Oberliga. Sein absolutes Highlight hat er ausgerechnet gegen den SV Meppen erlebt: Beim 6:1-Testspielerfolg 2013 stand er im Tor. 3:0 führte Spelle zur Pause. In der Kabine, erinnert sich Egbers, „haben wir gesagt, Leute, wir müssen zusehen, dass wir mindestens ein Unentschieden holen.“ Der Sieg des Landesligisten geriet gegen den Regionalligisten nie in Gefahr. Andererseits: Kurz nachdem die Anstellung von Egbers beim SVM 2019 feststand, verlor er mit Spelle II beim SVM II 0:5.


Jetzt kehrt Egbers zurück. Schlagen zwei Herzen in seiner Brust? Er positioniert sich klar: „Es wird das erste Mal in meinem Leben sein, dass ich Spelle nicht die Daumen drücke.“ Er gönne dem SCSV an 32 Spieltagen den Sieg, hoffe auf den Klassenerhalt. Aber: „Der SVM ist mein Arbeitgeber, ich bin ihm sehr eng verbunden. Ich habe mein Herz hier ein bisschen verloren.“


Seit Oktober 2019 arbeitet Egbers beim SVM. Der gelernte Bankkaufmann, der seinen Wirtschaftsfachwirt und ein Diplom im Fußballmanagement gemacht hat, begann im Bereich Marketing und Vertrieb. Seit knapp drei Monaten ist er als Nachfolger von Ronald Maul im Bereich Geschäftsleitung tätig.


Egbers weiß, dass beim Duell am Samstag in einer Liga zwei Fußballwelten aufeinanderprallen. Hier die Speller, bei denen er auch Nachwuchstrainer war und beim Sponsoring im Hintergrund ehrenamtlich gearbeitet hat. Das Team trainiert drei-, viermal in der Woche abends. Dort die Meppener, die ihre Einheiten morgens und nachmittags absolvieren. „Man versucht, den Jungs so weit wie möglich professionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Weg wieder in 3. Liga führen kann.“ Darin sieht Egbers insbesondere auch seine Aufgabe. In einem Spiel sei es möglich, ein Team, das professionell arbeite zu schlagen, aber über die Saison sei es besser, „wenn man die Strukturen hat und häufiger trainiert.“


Mit dem Umfeld, „den Sponsoren, die uns in einem gesunden Maß unterstützen“, den Fans, von denen sich allein 250 auf den langen Weg nach Lübeck machten und für einen Schnitt von über 5000 Zuschauern sorgten, sowie dem Stadion „hat es jeder Meppener verdient, hier wieder Drittliga-Fußball zu sehen. Wir wollen alles daran setzen, dass das so schnell wie möglich wieder funktioniert.“ An fehlenden Strukturen soll es nicht scheitern.

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